A view from the bridge

Das National Theatre London gab mal wieder eine Live-Vorstellung im Kino um die Ecke. Diesesmal gab es „A view from the bridge“ zu sehen. Eine Tragödie von Arthur Miller, die in den 50er Jahren in New York angesiedelt ist.
Der italienische Einwanderer und Hafenarbeiter Eddie Carbone lebt zusammen mit seiner Frau Beatrice und seiner 17jährigen Nichte Catherine in einer kleinen Wohnung in Brooklyn. Die drei kommen gerade so über die Runden. Trotzdem nimmt Eddie auch Marco und Rodolfo (Cousins von Beatrice) in seiner Wohnung auf. Die beiden kommen illegal aus Italien und hoffen auf ein besseres Leben in New York. Doch als sich zwischen Catherine und Rodolfo etwas anzubahnen scheint, gerät das Leben in der Familie ins Wanken….

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie gut die Stimmung ankommt, obwohl man nicht in einem Theatersaal, sondern nur im Kino sitzt. Auch bei diesem Stück saß ich am Ende im Kinosessel und war noch etwas befangen.
Das Stück wird am 13. und 28.April und am 11.Mai noch in anderen deutschen Kinos gezeigt. Falls jemand, der das hier liest, noch reingehen will und vorher nicht zugespoilert werden will -ich versuche spoilerfrei zu bleiben 🙂

Das Stück wird untermalt von Musik, die immer lauter und dramatischer wird. Das hätte es nicht gebraucht, weil alle Schauspieler es durch ihre Mimik und Gestik auch alleine schaffen diese Dramarturgie zu erzeugen. Allen voran Mark Strong als Eddie.
Jep – Mark Strong…WOW!!! Dieser Blick, dieser Zorn, dieser Hass und dann wieder dieses Weiche, wenn er seine Nichte anspricht. Mann, mann, mann! Und diese Nichte, die hat die naive 17-jährige so überzeugend gespielt, dass da manchmal wirklich Fremdschäm-Alarm angesagt war. Auch die anderen Schauspieler haben mich wirklich überzeugt.

Es gibt eine Szene im ersten Akt, in der alle im selben Raum sind und krampfhaft versuchen ein normales Gespräch zu führen. Die Blicke fliegen dabei nur so hin und her, die Körperspannung ist spürbar und als Eddie auf Rodolfo losgeht, ist Marco sofort dazwischen und präsentiert danach platzhirschmäßig seine Kraft um klarzumachen:Fass meinen Bruder nicht an! TOLL! Und genau DA störte mich die Musik sehr. Die Spannung untereinander war so klar erkennbar, auch ohne mit einem riesigen Pfeil draufzuzeigen.

Und ausser, dass für meine Verhältnisse ein paar viele nackte Füße zu sehen waren (bäh, ich hasse Füsse!!!) und beim Blut meiner Meinung nach ein paar Liter weniger hätten fließen können, war es ein bewegendes Stück, das nach einem kurzen Sackenlassen sofort den Gesprächsbedarf meiner zwei Begleiterinnen und mir weckte.
Wie immer war Herba mit mir im Kino. Ausserdem war ich ja mit Herba letztes Jahr live in London bei einem anderen Arthur Miller-Stück, das ähnliche moralische Fragen aufwirft und Herba fragt sich in ihrem Beitrrag: Warum hat man mit John Proctor aus The Crucible Mitleid und mit Eddie Carbonne nicht?

Trailer zu View from the bridge
NT-live Seite zu View from the bridge
Die nächsten Termine im Frankfurter Kino von NT-Live:
16.04.2015 The Hard Problem
14.05.2015 Man and Superman
16.07.2015 Everyman

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2 Antworten zu A view from the bridge

  1. schauwerte schreibt:

    Als Allererstes: Ich hasse Füße auch! Willkommen in meiner Welt! 🙂
    Ich habe das Stück ja von der Bühne aus sehen können (https://schauwerte.wordpress.com/2015/02/24/nahe-dran-statt-nur-dabei-beim-blutbad-von-a-view-from-the-bridge/) und kann sagen, dieser Blick von Mark Strong ist aus der Nähe noch furchteinflößender. Dabei ist er ein so netter Typ! Ich hatte schon ein gewisses Portiönchen Mitleid mit Eddie, weil er sich so in eine Ecke reinlaviert, dass er da nicht mehr rauskann. Da spielen auch Rollenbilder (Mann! Stolz! Ehre!) eine Rolle.

    • Die Poe schreibt:

      Jemand der mich versteht!!! Wah, am allerschlimmsten waren die vom Anwalt!
      Ohhhh, beneidenswert, dass Du es in „echt“ gesehen hast!!!

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