Die Vollidioten

Frankfurt liest ein Buch und ich habe es auch gelesen. Einmal im Jahr steht Frankfurt ein paar Tage lang ganz im Zeichen eines Buches. Dann gibt es Lesungen, Ausstellungen und und und. Dieses Jahr liest Frankfurt Eckhard Henscheids „die Vollidioten“. Zum Programm rund um Frankfurt liest ein Buch geht’s hier und das Ganze geht heute los und läuft bis zum 13. April.

So, und was liest Frankfurt da jetzt?
Die Vollidioten. Ein historischer Roman aus dem Jahr 1972
Eigentlich passiert in dem Buch nichts! Aber dieses Nichts ist so wunderbar geschrieben, dass sich das Lesen auf jeden Fall lohnt. Herr Peter Jackopp will das Fräulein Czernatzke flachlegen und zwar sofort. Aber verteufelt nochmal, warum will das einfach nicht klappen? Das Buch beschreibt nun sieben Tage lang, was im Frankfurter Nordend so passieren kann, wenn der Herr Jackopp das Fräulein Czernatzke flachlegen will und Herr Henscheid nebenbei aber auch noch seinen stets blanken Nachbarn aushalten muss und auch noch einen Arbeitsauftrag von den Glasreinigern erhält….

HERRLICH!!!! Und hier gleich mal zwei Lieblingszitate:
„Herr Domingo, der früher einmal einen Verein zur Abschaffung der Sexualität wegen unnatürlicher Trivialität der dabei anfallenden Vorgänge, hatte gründen wollen, lauschte gespannt meinem Bericht und unterbrach ihn mehrfach mit dem Einwurf „oh Gott, oh Gott“…“ (Seite 57) – Jetzt sei noch dazu gesagt in dem Bericht ging es um nichts anderes als Liebe und Sex! 🙂
…zu dem dabeisitzenden Herrn Peter Knott wörtlich:“Es gibt einen Grad von Naivität, den ich nicht mehr mitmachen kann.“… (Seite 166) DEN Satz versuch ich mir seither zu merken!

Eckhard Henscheid gehört zu den Mitgliedern der Neuen Frankfurter Schule, die sich damals in der Redaktion des Satire-Magazins pardon gründete und später dann das Satiremagazin Titanic rausgab. Die erwähnten Personen in dem Roman gehören zur damaligen pardon-Redaktion, die Namen wurden zum Teil leicht geändert. Bei Wikipedia kann man zur Entstehungsgeschichte nachlesen:“Die Vollidioten erschienen zunächst nur als Subskriptionsausgabe: Henscheid hatte 1972 per Inserat über 2000 Subskribenten versammelt, die jeweils zehn Mark überwiesen, um das Buch vorzubestellen. Der Autor versprach in seiner Ankündigung einen Roman, in dem „eine Frankfurter Minorität“ geschildert werde, die „ungeheuer banale Liebesszenen abzieht…“

Und ja, so isses!!!Nicht mehr und nicht weniger, aber wunderbar pointiert, bissig, sarkastisch, lustig, banal, tiefgründig und alles niedergeschrieben in einem sehr schönen Schreibstil. Die Vollidioten sind der 1. Teil von Henscheids Triologie des laufenden Schwachsinns und ich werde definitiv auch noch die beiden anderen Teile lesen.

Die Vollidioten von Eckhard Henscheid
237 Seiten
Zweitausendeins
keine ISBN

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